Nachtbilder, 5. Mai 2018

Maria Seisenbachers neuer Lyrikband

„Zwei verschraubte Plastikstühle“. Von Maria Seisenbacher.
Gestaltung: Nikolaus Scholz. Redaktion: Edith-Ulla Gasser

„Niemand kommt ungehört nach Haus“ heißt es einmal gleich zu Beginn in Maria Seisenbachers neuem Gedichtband, und mit dieser kurzen Passage sind bereits zwei wichtige Motive dieses Buchs benannt. Hören oder Nichthören: das steht für Spüren oder Nichtspüren, Sehen oder Nichtsehen, Wahrnehmen oder Nichtwahrnehmen. Kurz, für die Frage nach der Feinsinnigkeit, nach der Sensibilität, ohne die kein Gedicht gelingt – und vielleicht auch kein Leben. Und auch das Zuhause kommt in diesem Lyrikband in mannigfacher Form vor: als Haus, als Kindheitserinnerung, als Landschaft des Lebens, oder als Körper, der dieses Leben birgt – wie kurz auch immer. Das erzählende Ich in diesen Gedichten hört nicht nur passiv, es sendet das Hören auch hinaus, so wie man Worte hinaussendet. Und es spricht Worte nicht nur nach außen, sondern es liest die eigenen Worte auch nach innen, in sich hinein, so wie man Gedanken wenden und ihnen verschiedene Richtungen geben kann. Solches gelingt der Autorin durch kleine Sprünge im Satzbau, durch unverhofften Perspektivwechsel, oder durch schräg aber uneitel eingesetzte lyrische Bilder. Maria Seisenbacher, Wiener Autorin des Jahrgangs 1978, errang mehrere Auszeichnungen beziehungsweise Stipendien. Ihre Texte wurden ins Farsi, ins Tschechische, ins Kroatische und Serbische sowie ins Polnische übersetzt.

Maria Seisenbacher, „Zwei verschraubte Plastikstühle“, edition atelier, 2018
Nachtbilder
Gestaltung: Nikolaus Scholz